Turmhistorie

Wie wir von einem älteren Anwohner erfahren konnten, befand sich an der gleichen Stelle wie heute, bereits ein kleinerer Trafoturm, der 1953 durch einen Blitzschlag zerstört wurde.
Der damalige zuständige Netzbetreiber MÜAG beschloss dann im Jahr 1954 den Neubau in der heutigen Form. Aus dem uns vorliegenden Original-Bauplan ist die solide Bauweise zu erkennen. Ein tiefes stabiles Beton-Fundament dient als Träger für die mit Hohlraumziegeln gemauerten Außenwände. Diese Bauweise war bis in die 80er Jahre üblich, danach wurden hauptsächlich Trafostationen in Fertigbauweise erstellt. Im Erdgeschossboden ist eine Aussparung in der Größe von 200 x 90 cm und ca. 30 cm tief. Auf dieser Aussparung wurde mit Eisenträgern der Trafo befestigt. Die Aussparung war wohl zur Unterlüftung des Trafos notwendig. Gemäß einem Techniker von trafoturm.eu war jedoch die Hauptaufgabe der Grube das Auffangen von etwa austretendem Trafoöl. Neuerdings werden in moderneren Stationen solche Gruben sogar mit Kunststoffbeschichtung ausgekleidet um Dichtheit zu erreichen.
Zwei Hochspannungsleitungen führten unterirdisch in den Turm (die Leitungen sind heute noch hinter einem kleinen Schaukasten im EG zu sehen). Durch dicke Eisen- (ca. 6 cm Durchmesser) und Betonrohre in den Außenwänden, und durch runde Löcher in den EG-Decke wurden dann die vom Trafo in die haushaltsübliche Spannung umgewandelten Leitungen nach oben geführt. Von einem ca. 100 cm hohen Ringanker und einer Massivdecke als oberer Mauerabschluss, die die ganzen Spannkräfte aufnehmen mussten, erfolgte dann die Verteilung durch Oberleitungen an die umliegenden Stromabnehmer. Die Oberleitungen waren an sogenannten Schweinshaken gespannt und an Eierisolatoren befestigt. Ein steiles Satteldach, eingedeckt mit Biberschwänzen, bildet den Abschluss des Gebäudes.
Der Trafo selbst hatte ein Gewicht von 1.8 Tonnen und eine Leistung von 400 KVA (Kilo-Volt-Ampere). Bis zum Jahr 2013 diente die Trafostation der MÜAG und zuletzt der EnBW Ostwürttemberg DonauRies AG Giengen als Umspannstation für das Gebiet Kohlerstraße, Wissmannstraße und Herrenbreite in Leipheim.
Erst durch die Modernisierung des Stromnetzes und die damit verbundene Verlegung sämtlicher Anschlüsse unterirdisch verlor der Turm im Laufe der Jahre seine ursprüngliche Funktion. Das endgültige Ende war dann 2013, als im Zuge der Kanalsanierung und Straßen-erneuerung in der angrenzenden Straße „Herrenbreite“ eine neue moderne Trafostation gebaut wurde. Nur noch an der Außenmauer blieb ein Verteilerkasten der Stadt Leipheim (für die Straßenbeleuchtung in der Wissmannstraße), der aber mit der Trafostation nichts mehr zu tun hat, übrig. Als dann genau diesen Verteilerkasten die Stadt Leipheim versetzen wollte, erfuhren wir im Oktober 2013 von dem geplanten Abriss des Trafoturms in den nächsten Monaten. Um den Turm zu erhalten, konnten wir uns kurzfristig mit der EnBW ODR AG über den Kauf einigen. Gleichzeitig erhielt die Stadt Leipheim unsere Zusage, den Verteilerkasten an der bisherigen Stelle belassen zu können.
Obwohl wir bis zu diesen Zeitpunkt aus sicherheitstechnischen Gründen (Hochspannung!) den Turm von innen noch nicht gesehen hatten, erfolgte die Vereinbarung für einen Notartermin Anfang 2014.

Original-Bauplan aus dem Jahr 1954

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